Sprach-Gedanken: Lernen, Volle Immersion… oder doch nicht?

Veröffentlicht: 19/07/2016 in Sprachen
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Häufig gibt es den Vorschlag das man sich, beim erlernen einer Fremdsprache, mit entsprechenden fremdsprachigen Medien wie Filme, Serien oder Radioprogramme befassen soll. Mit diesem Artikel mag ich meine Gedanken hierzu teilen.

Das Konzept des Tipp der häufig gegeben ist, ist recht einfach:

Wenn du dich soviel wie möglich der Fremdsprache (z.B. Französisch) aussetzt klappt es!
… Wenn du das Radio anmachst, wähle einen französischen Sender
… Wenn du den TV anmachst, wähle ein französisches Programm oder eine Serie
… Wenn du die Zeitung liest, wähle ein französisches Tagesblatt
… Wenn du Musik hörst, wähle Lieder die auf Französisch gesungen werden

Mitunter werden diese, meiner Meinung nach bereits drastischen Vorschläge, noch verstärkt. So geht man selbstverständlich davon aus das die Zeitung der Wahl „Le Monde“ ist, das heißt das französische Äquivalent zu „Die Welt“. Hinsichtlich der französischen Sendungen reicht es nicht sich eine mit Untertitel zu suchen, sondern man sollte sie im ersten Durchgang ohne schauen und erst im weiteren Durchlauf mit.

Meine persönliche Einschätzung dazu,..

Der Grundgedanke ist nicht schlecht. Die Umsetzung und Empfehlung allerdings mitunter fürchterlich.

Man stelle sich vor man lernt gerade Deutsch. Man hat gerade die Formen von „sein“ und „haben“ verinnerlicht. Man kann gerade sagen wie man heißt, wie es einem geht, Essen bestellen, vielleicht einige einfache Sätze bilden und hat einen Wortschatz von vielleicht 300 Wörtern.

Mit diesem Rüstzeug versucht man dann…
Den Radiomoderatoren von SWR3 zu folgen, „Atemlos“ von Helene Fischer zu verstehen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu lesen und zum Abschluss des Tages eine Folge „Tatort“ zu sehen.

Ich bin ziemlich sicher das es den Lernenden frustrieren wird.
Zumindest aus meiner Erfahrung heraus. Wenn ich beispielsweise den lokalen französischen Sender einschalte. Teilweise auch wenn ich mein französischen Rollenspiel lese, das in einer einfacheren Sprache geschrieben ist als „Le Monde“ (nehme ich an).

Ich denke auch das es nicht einfach einfach so möglich ist.
Ich habe was Französisch betrifft das Glück nah an Frankreich zu wohnen. Dadurch empfange ich immerhin einen französischen Radiosender.
Wenn man jedoch weniger komfortabel wohnt ist braucht es schon ein Internet-Radio um sich auf Französisch beschallen zu lassen. Hinsichtlich der Musik mag sich noch etwas finden lassen, was jedoch Fernsehserien betrifft… gerade solche die einem auch gefallen, wird es schon schwieriger.

Meine Tipps …

Kleine Dosen & Spaß

Anstelle sich eine Stunde Radio zu geben oder eine halbe bis dreiviertel Stunde einer Fernsehserie, sollte man es entlang des eigenen Wohlfühl-Kompass gestalten.

Das heißt ich höre, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit Lust habe, bei France Bleu Alsace rein. Ich versuche dann zu verstehen worum es geht, dem Program etwas zu folgen, und wenn es mir zu stressig wird schalte ich einfach um. Normalerweise liegt der Zeitraum zwischen fünf Minuten und etwa einer viertel Stunde.

Soziale Netzwerke nutzen

Ich habe auf Facebook einige Freunde und folge auf Google+ Personen, Verlage deren Muttersprache Französisch, Spanisch oder Italienisch ist.

Wenn sie ein Status Update posten, und es in meinen Benachrichtigungen oder der Timeline auftaucht, versuche ich zu erst – so gut es eben geht – es zu verstehen. Dann nutze ich die „Übersetzen“ Funktion um zu schaue‘ ob ich nah dran war oder nicht.

Ab und an schaue ich dann einzelne Wörter nach oder versuche auf Basis der automatischen Übersetzung, die oftmals noch Fehler hat, eine bessere Übersetzung zustande zu bringen.

Hilfsmittel nutzen

Es kann durchaus sinnvoll sein und Spaß bereiten fremdsprachigen Filmen im Original-Ton zu schauen. Allerdings sollte man hierbei auf Untertitel zurück greifen.

Damit ist es möglich den Film auch dann zu verstehen wenn der eigene Wortschatz erschöpft ist, die Charaktere unverständlich sprechen – sei es wegen eines Dialekt oder weil die Aussprache undeutlich (z.B. genuschelt) ist.

Was nicht nur dem eigenen Verständnis hilft, sondern auch den Konsum des Films oder der Serienfolge interessant gestaltet. Gerade da viele Serienfolge, selbst gute, nur bedingt dazu taugen mehrfach hintereinander angesehen zu werden.

Kleiner Tipp zu Untertiteln

Wenn man fortgeschrittene, solide Kenntnisse in einer Fremdsprache hat – das heißt flüssig im lesen ist – kann man die Fremdsprache trainieren in dem man Filme die man andernfalls nicht versteht in der Lernsprache untertitelt ansieht.

Das heißt ich habe sowohl Delicatessen (Französisch) als auch Battle Royal II (Japanisch) mit niederländischen Untertiteln geschaut. Es hilft hierbei durchaus jemand dabei zu haben um grobe Missverständnisse auszubügeln.
Das heißt als ich mir einen asiatischen Film mit einem tauben Protagonisten mit niederländischen Untertiteln ansah hielt ich die Figur – aufgrund des Falschen Freund „doof“ – zunächst für dumm anstelle für taub.

Wenn man entsprechende Optionen zur Verfügung hat kann man sich zu dem deutschen Dub oder Original fremdsprachige Untertitel da zu schalten. Das heißt wenn man die Serie hinreichend öde findet oder den Film mag das einen der Text im Bild nicht stört.

Klein Anfangen

Anstelle sich die Französische Ausgabe „Der Welt“ zum Einstieg zu geben kann man nach einfacheren Zeitschriften oder Magazine schauen.
Für Niederländisch bzw. Flämisch gibt es beispielsweise Wablieft, eine Zeitschrift die in eher einfacherer Sprache gehalten ist. Für Französisch erscheint mir Écoute eine gute Wahl.

Ähnlich kann man auch bei der Wahl des Fernsehprogram darauf achten wie anspruchsvoll dies ist. Das heißt in Bezug auf amerikanische Serien würde ich, in Bezug auf das üben des Sprachschatz, eher eine Serie wie Desperate Housewives empfehlen, als jetzt Hannibal.

Letztlich kann man, abhängig von der Sprache und natürlich den eigenen Interessen, Comics eine Chance geben. Auch hier gilt wieder das es eventuell mehr Sinn ergibt sich von einfacheren oder Action orientierteren Comics zu ernsteren, philosophischeren hochzuarbeiten.

Mit Fremden-Sprechen

Anstelle einen normalen Touristen, Immigranten oder Migranten mit seinen 300 Wörtern anzusprechen, und versuchen ein vernünftiges Gespräch zu führen, würde ich die Internetseite Busuu.com empfehlen.

Die Seite bietet nicht nur kostenlose Kurse, sondern auch innerhalb der Kurse Übungen bei denen man Feedback von Muttersprachlern erhält oder Personen welche die eigene Lernsprache sehr gut beherrschen.
Man kann dort, über die Korrekturen, auch recht einfach jemanden finden der in etwa weiß wie gut man selbst die Sprache kann und sich eventuell weiter austauschen.

Fazit

Immersion ist gut, allerdings helfen kleine, bedachte Schritte mehr als der Versuch von Null mit minimalen Kenntnissen auf Hundert zu springen.

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