[CF 101] Was ist Crowdfunding?

Veröffentlicht: 11/01/2017 in Crowdfunding, GoFundMe, IndieGoGo, Kickstarter, Patreon, RPG, Spieleschmiede, StartNext, Ulule
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Die Crowdfunding Kurzübersichten bieten einen Einblick in die aktuellen gestarteten Crowdfunding-Kampagnen rund um Rollenspiel.

Allerdings läßt sie die Frage offen was es eigentlich ist und wie es funktioniert. Auf diesen den Themenbereich möchte ich mit dieser Artikel-Reihe eingehen. Dazu mag ich auch gleich einladen, für weitere Artikel, Fragen zu stellen.

Crowdfunding Plattformen

Crowdfunding-Plattformen

Inhalt

Was ist Crowdfunding?
Welche Formen des Crowdfundings gibt es?
(Klassisch, Mäzenatentum, Crowdonation, Crowdinvesting)
Was ist der Unterschied zur Vorbestellung?
Was ist der Unterschied zwischen Kickstarter und Crowdfunding?
Eine gute Information-Quellen zum Thema [auf Deutsch]
Weitere Fragen?

Was ist Crowdfunding?

Bei Crowdfunding handelt es sich um eine Finanzierungsform die mittels Internet abgewickelt wird.

Eine Privat Person oder ein Unternehmen erstellt hierbei ein Projekt. Das Projekt beschreibt was finanziert werden soll. Dies kann alles mögliche sein. Ein Rollenspiel, ein Kleidungsstück, eine Kunstinstallation, eine technische Neuentwicklung und vieles mehr.
Weiterhin werden verschiedene Belohnungen respektive Gegenleistungen angeboten. Das fertige Produkt, eine Namensnennung, eine Konferenzschaltung, Eintrittskarten und mehr.
Das Projekt hat in der Regel eine Zielsumme ab der es verwirklicht werden soll und die Belohnungen verteilt.

Andere Personen können sich hierbei entscheiden das Projekt zu unterstützen. Das bedeutet mit einem Geldbetrag dazu beitragen das die Zielsumme erreicht wird.
Abhängig von dem geleisteten Geldbetrag kann der Unterstützer eine Belohnung auswählen.

Das bedeutet bei einem Crowdfunding handelt es sich um eine Projekt-Finanzierung durch viele Einzel-Personen. Ich würde es mit „Gruppen-Finanzierung“ übersetzen, da die Personen mitunter unabhängig von einander agieren.

Welche Formen des Crowdfundings gibt es?

Es ist, meines Erachtens, hilfreich bezüglich Crowdfunding zu unterscheiden. Da verschiedene Plattformen deutlich unterschiedliche Konzepte verfolgen.

  • Crowdfunding (klassisch) in der klassischen Form finanziert, wie oben beschrieben, ein Produkt. Ist der Zielbetrag erreicht wird das Produkt umgesetzt und die Unterstützer erhalten ihre Belohnungen zu einem zuvor angekündigten Termin.
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    Rollenspielbezug: Diese Finanzierung eignet sich beispielsweise für: Rollenspielgrundregelwerke, Ergänzungsbände, Sekundär-Literatur, Conventions, Würfel und vieles mehr. Hauptsache das Produkt kann ausgeliefert werden.
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    Plattformen: Kickstarter, StartNext, Ulule, Spiele-Schmiede, Pozible
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    Gründe es zu Unterstützen:
     Man ermöglicht ein Produkt. Man erhält Dank, eine Widmung oder ein Produkt; manchmal alles drei. Das Produkt erhält man oftmals – aber nicht zwingend – vor anderen und günstiger.
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    Beteiligungsumfang: Die meisten Projekte im Rollenspielbereich liegen in einem soliden zweistelligen Rahmen. Manchmal werden, eher geringe, dreistellige Beträge gefragt.
    Die Beteiligung erfolgt in der Regel mit nur einem Beitrag.
  • Crowdfunding (Patronage / Mäzenatentum) finanziert entweder eine laufende Reihe von Produkte oder eine Person in einem professionellen Unterfangen.
    Der Projektgestalteter beschreibt wofür er Mäzen sucht. Beispielsweise um ein Blog mit Leben zu füllen, für das fortgesetzte anfertigen von Zeichnungen, das erstellen von YouTube Videos.
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    Rollenspielbezug: Die Finanzierung eignet sich beispielsweise für:
    Magazine (Teilzeithelden), YouTube Kanäle (Orkenspalter), Karten-Artworks (Dyson Logos)
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    PlattformPatreon, IndieGoGo
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    Gründe es zu Unterstützen:
     Man bekommt in der Regel früher Zugriff auf Inhalte als der Rest der Welt. Manchmal sind Inhalte auch exklusiv nur für Mäzen erhältlich. Auch kann man, manchmal, eine Stimme erhalten mit dem der Künstler entscheidet was er als nächstes macht.
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    Beteiligungsumfang: Die meisten Projekte fragen nach Beträgen von deutlich unter 10€.
    Diese werden allerdings entweder monatlich abgebucht, oder bei der Veröffentlichung neuer Produkte (Karten, Blog-Artikel etc.).
  • Crowdonating stellt im Grunde einen Spenden-Aufruf online. Beispielsweise um Kosten in Folge einer Krankheit oder Beerdigung zu tragen oder einen Diebstahl finanziell abzufedern.
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    Rollenspielbezug: Die Finanzierung eignet sich für Entwickler und Schaffende denen ein Unglück geschehen ist und die daher auf Spenden angewiesen sind.
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    Plattform: GoFundMe
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    Gründe es zu Unterstützen:
     Man hilft einem Menschen in Not.
    Wobei man, nach meiner (blinden) Einschätzung, keinen Spendennachweis bekommt.
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    Beteiligungsumfang: Entspricht der eigenen Großzügigkeit.
  • Crowdinvesting ist etwas das, gerade in Deutschland, häufig mit Crowdfunding verwechselt wird. Hierbei stellt eine Person, respektive ein Unternehmen, einen Geschäftsplan auf und lädt andere ein zu investieren. Diese erhalten für die Investition eine Beteiligung am Erfolg.
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    Rollenspielbezug: Keiner.
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    Ich habe noch kein RPG-Crowdinvesting Projekt gesehen. Das heißt man bekommt keinerlei Beteiligung am Erfolg, Einnahmen, Gewinnen oder Verlusten.

Was ist der Unterschied zur Vorbestellung?

Eine häufige Frage die aufkommt ist das Crowdfunding Projekte von Vorbestellungen unterscheidet. Die Antwort ist nicht einfach, da ich selten bis fast nie bei Vorbestellungen mitmache. Aus meiner Sicht sind es folgende Merkmale die einen Unterschied schaffen:

  • Crowdfunding: Das Produkt muss finanziert werden.
    Bei einer Vorbestellung wird das Produkt unabhängig von der Anzahl der Vorbesteller geschaffen. Das neuste Videospiel wird unabhängig davon erscheinen ob nun zehn oder tausende Spieler eine Vorbestellung aufgeben. Die neuste CD wird auch erscheinen wenn es keine Vorbesteller gibt. Ein Konzert oder ein Festival für das man Karten vorbestellen kann wird auch mit geringen Vorbestellungen stattfinden.
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    Bei einem Crowdfunding hingegen kann es passieren dass das Produkt nicht verwirklicht ist. Das die Privatperson, ohne die Finanzierung, ihr Buch nicht illustrieren kann. Das der Verlag, ohne die Finanzierung keine Luxus-Fassung des Buchs verantworten kann. Das der Künstler ohne die Finanzierung keine tollen Artworks schaffen kann.
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  • Crowdfunding: Es läuft über eine gewisse Zeitspanne.
    Bei einer Vorbestellung ist der Bestellvorgang umgehend. Das heißt man bestellt seine Karte, seine CD, sein Spiel … und das war es. Das Geld wird abgebucht und man wartet.
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    Bei einem Crowdfunding ist es so das die Kampagne läuft einen Zeitraum von mehreren Tagen, manchmal von Wochen oder Monate, läuft. Während dessen kann man auf den meisten Plattformen (*) seinen Beitrag und seine Belohnung anpassen. Nach oben, nach unten, man kann ihn sogar ganz zurück ziehen. In der Regel ohne Begründung.
    Damit hat man eine größere Flexibilität.
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    (*) Hierbei gibt es leider auf einigen, idR. verlagseigenen, Plattformen Ausnahmen.
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  • Crowdfunding: Ist, in seiner Natur, transparent.
    Bei einer Vorbestellung bekomme ich eine Produktbeschreibung. Wenn mir diese gefällt bestelle ich das Produkt vor. Danach war es das mit Infos, bis das Produkt erscheint.
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    Bei einem Crowdfunding muss man, ähnlich wie bei einer Vorbestellung, den Unterstützern die Idee verkaufen. Danach muss, oder sollte man, den Unterstützern aber zuverlässig, über einen längeren Zeitraum, Informationen geben.
    Artworks, eine genauere Systemvorstellung, Regelauszüge, Erzählungen zum Setting, Entwicklungsgedanken und mehr.
    Das heißt, nach meinem Eindruck, vermitteln Crowdfunder ein besseres Bild vom Projekt. Zumindest sollten sie das.
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  • Crowdfunding: Das Produkt kann wachsen.
    Bei einer Vorbestellung bekommt man was man bestellt hat. Man bekommt kein fetteres Spiel, extra DLC, Goodies nur weil Massen an anderen Vorbestellern den Publisher mit Geld zu schütten. Man erhält keine Bonus-Tracks bei CDs nur weil tausende, statt hunderte, die CD vorbestellten. Man bekommt keinen besseren Konzertplatz, frei Getränke oder Goodies weil das Konzert ausverkauft ist.
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    Bei einem Crowdfunding setzten Projektgestalter, neben dem grundlegenden Ziel zur Verwirklichung des Projekt, oft zusätzliche Ziele. Dabei kann es sich um finanzielle Ziele handel (ursprüngliche Summe + X) oder um andere (Anzahl der Unterstützer, Likes bei Facebook, Twitter-ShoutOuts, Fanart etc.).
    Wenn diese erreicht werden kann es dem Unterstützer passieren das er mehr für sein Geld bekommt. Mehr finanziert.
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  • Crowdfunding: Man kann mit den Machern in Kontakt treten.
    Bei einer Vorbestellung besteht, für die Macher, nicht unbedingt eine Motivation mit den Vorbestellern zu reden.
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    Bei einem Crowdfunding hingegen sollte der Macher schon aufgrund der Zeitspanne mit den Unterstützern interagieren. Macht er dies nicht oder zeigt sich unfreundlich laufen ihm die Unterstützer weg. Versaubeutelt er die Kommunikation nach dem Projekt wird er es mit zukünftigen Projekten schwer haben.
    Daneben profitiert auch der Macher von der Interaktion.
    Wenn man die Unterstützer zum Playtest animiert wird das Spiel besser. Lässt man sie als Lektoraten über die Alpha lesen findet man Logik- sowie Rechtschreibfehler.
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  • Crowdfunding: Man kann mit anderen Unterstützern in Kontakt treten.
    Bei einer Vorbestellung erfährt man nicht wer alles mit vorbestellt hat. Man hat sein Produkt zugesichert, ist aber relativ allein erstmal. Natürlich kann man verschiedene Gruppen bilden und andere Vorbesteller suchen, aber das ist arbeit und unzuverlässig.
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    Bei Crowdfunding hat man die Möglichkeit mit anderen Unterstützern in Kontakt zu treten. Man kann mit ihnen in den Kommentaren reden. Man sieht wieviele Leute die gleiche Belohnung wählten. Man weiß wieviele insgesamt mitmachten. Man kann sich austauschen und Gemeinschaften bilden.
    Das heißt man kann die „crowd“, die „Gruppe“, nutzen um zu socializen. Nun, oder man kümmert sich nicht um die.

Was ist der Unterschied zwischen Kickstarter und Crowdfunding?

Kickstarter ist eine Crowdfunding-Plattform, und als solches mit Abstand die populärste und bekannteste. Weshalb Kickstarter dem „Tempo gleich Taschentuch“-Effekt erliegt.

Das ist insofern nicht tragisch, als das es die Kommunikation verkürzt.
Das ist dann problematisch, wenn man annimmt das die tatsächlich gemeinte Plattform die gleichen Eigenschaften hat.

Ob man in ein Tempo-Taschentuch oder ein anderes Taschentuch schnäuzt ist in der Regel egal. Wenn man jedoch feststellt das die Crowdfunding Plattform, entgegen Kickstarter, keine einfache Möglichkeit bietet sein Geld zurück zuziehen, dann ist das ärgerlich.

Eine gute Information-Quellen zum Thema [auf Deutsch]

Ich empfinde das Crowdfunding.de Informationsportal erstaunlich hilfreich und informativ.

Weitere Fragen?

An dieser Stelle mag ich vorschlagen das Ihr mir weitere Fragen zu dem Thema Crowdfunding schickt. Aspekte die euch interessieren.

Diskussion im RSP-Blogs Forum

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Kommentare
  1. Sehr guter Artikel, der eine umfassende Übersicht bietet :) finde ich gut!

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