Sprach-Gedanken: Talent! Talent?

Veröffentlicht: 30/08/2017 in Sprachen
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Derzeit bin ich in Bezug auf Sprachen aktuell faul. Das heißt ich habe eine DuoLingo-Serie von 216 Tagen, die sich weiter ausbaut. Jenseits des Mindestmaß an Spanisch-Übungen, mittels Handy, hapert es doch.

Dabei habe ich dennoch, spontan zwei Lektionen angefangen. Eine über „dir, mich, ihr/ihm“. Dabei viel mir auf, dass es das schwierigste, grammatikalische Konstrukt war, welches ich auf Spanisch lernte. Dass Duolingo nichts direkt erklärt und ich überlegte mir ob Andere nicht an solchen Stellen aufgeben.

Hierbei fielen mir Komplimente hinsichtlich meiner Sprachbegabung ein, sowie Berichte die Behaupten das Talent kein wichtiger Faktor beim Lernen ist.
Ich hingegen glaube durchaus das es Sprach-Talent gibt, ebenso wie man talentiert in Bezug auf Musik, Kunst, Sport oder andere Themen sein kann, und ferner das ich etwas Talent habe. Darüber möchte ich in diesem Artikel etwas erzählen.

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Duolingo Unterricht (keine Übung). Entweder man leitet es sich her, oder man hat Pech.

Zunächst ist es nützlich zu überlegen was Talent oder auch Begabung ist.
Talent bedeutet hierbei nicht, dass der Talentierte nicht (lange) Lernen muss, keine Zeit zu investieren braucht oder es ihm gänzlich ohne Mühe zufliegt.

Meines Erachtens besteht Talent aus drei Aspekten:

  1. Freude, Spaß & Neugier
    Wenn ich eine fremde Sprache sehe, werde ich durchaus, aus meiner selbst heraus, neugierig was dort steht. Die Recherche, was es bedeutet, macht mir Spaß. Zudem habe ich eine gewisse Freude daran Sprachen zu lernen.
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    Beispielsweise habe ich mir in meiner Jugend viele Manga auf japanisch gekauft. Dazu den „Hadamitzky“, respektive Kanji und Kana. Damit bewaffnet habe ich eineinhalb Fragen und Antworten eines Interview meiner damaligen Lieblings-Mangaka Minami Ozaki übersetzt. Aufgrund fehlender japanisch Kenntnisse einfach Zeichen für Zeichen.
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    Ein anderes Beispiel ist, dass ich gen ~97 Enya vergötterte. Dementsprechend suchte ich im Internet nach Informationen, und fand unter anderen ein FAQ. Nach Rücksprache mit dem original Autor, beschloss ich es zu übersetzen. Es waren etwas über Seiten und mein Englisch damals vergleichsweise schlecht.
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    Dies alles kann man auch ohne Sprachtalent tun, allerdings wird es einem als Arbeit erscheinen. Während es für die Person die dahingehend begabt sind mitunter das Belohnungszentrum des Verstands aktiviert.
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  2. Auffassungsgabe, Wahrnehmung (Koordinationsvermögen, Muskelaufbau)
    Ich bin verhältnismäßig gut darin Worte oder Muster zu merken und sie wieder zu erkennen. Mitunter kann ich, alleine durch Beispiele zu einem Bereich, selbst auf ein Muster kommen. Ferner schaffe ich es Wörter recht gut wieder zuerkennen.
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    Ich war so zum Beispiel in der Vor-Premiere von Atomic Blonde.
    Normalerweise sollten wohl längere Gespräche auf Russisch untertitelt sein. In der Fassung die ich sah, waren sie es jedoch nicht. Nun konnte ich dennoch, im letzten längeren Gespräch auf Russisch, einen Begriff wiedererkennen und mit damit den Kern zusammenreimen. Ich bemerkte auch, das einer der Russen das Wort „choroscho“ (gut) verwendete, obwohl er arg nuschelte.
    Ebenso kann ich bei den vielen, englischsprachigen TV-Serien in der Regel selbst kruderen Akzenten oder Dialekten folgen.
    Ich habe gut zweieinhalb Jahre in Belgien gelebt, niederländischsprachige TV-Programme geschaut, japanische Filme mit niederländischen Untertiteln, bevor ich Niederländisch richtig lernte.
    Andere Personen können es wesentlich schlechter oder gar nicht.
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    Das bedeutet, in meinen Augen, ist Talent die Grundlegende Fertigkeit zu lernen.
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  3. Zugang zu den richtigen Lern-Methoden
    Menschen lernen unterschiedlich.
    Die Einen nehmen Informationen im Frontal-Unterricht exzellent auf.
    Die Anderen nehmen Informationen in Gruppenarbeit exzellent auf.
    Die Methoden zum Sprachen lernen rangieren über Ansätze mit Fokus auf dem optischen (Rosetta Stone Methodik), auf stures Vokabel pauken (Memrise), über natürliche Erarbeitung (Birkenbihl), hinzu Audio basierten Ansätzen und vielen anderen Ansätzen, in allen möglichen Mischungen.
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    Talent zeichnet sich dadurch aus, meiner Meinung nach, das man einen natürlichen Zugang zu einer bestimmten Lern-Methode hat und diese kennt/nutzt.

Was aber nun tun wenn man denkt das man kein Talent hat, oder es sich stark beschränkt?

  1. Ziele setzen, Belohnungen nehmen
    Wenn man bspw. Sprachen nicht aus sich selbst heraus toll findet, helfen konkrete Ziele. Einerseits dass man dran bleibt, andererseits das man etwas Spaß entwickelt.
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    Ein konkretes Ziel kann ein persönliches sein. Beispielsweise:
    ) Ich möchte Spanisch für den Urlaub lernen.
    ) Ich möchte Spanisch für den Gesellschaftsabend lernen.
    Ein konkretes Ziel kann ein externes sein. Beispielsweise:
    ) Ich möchte Spanisch lernen, weil es für die Arbeit notwendig ist.
    ) Ich möchte Spanisch lernen, weil mein Partner es fordert.
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    Diese Ziele sollte man dann in kleine, greifbare unterteilen. Beispielsweise:
    ) Sich vorstellen können
    ) Etwas bestellen können
    ) Arbeits-Objekt namentlich kennen
    Idealerweise so dass es sich aufbaut.
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    Ein Ziel wie „Ich möchte Bücher lesen können“ oder „Ich möchte Serien verstehen können“, ist schwierig da es sich nur umständlich auf kleine Aspekte, die einen auch Spaß machen, herunterbrechen lässt. Es kann sogar demotivierend sein, wenn man seinen Anspruch von „Volver“ auf eine Kinderserie zurückstuft, und merkt dass selbst dies (zu) schwierig ist.
    Zudem hilft es, wenn das Lernmaterial die Ziele unterstützt.
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    Wenn man ein Ziel erreicht hat, sollte man sich belohnen.
    Mit einem guten Essen, in dem man es vor Freunden angibt oder anderen kleinen Spielereien. Als Rollenspielfan kann man sich vielleicht gar ein kleines Punkte-Konto nachhalten.
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  2. Regelmäßige Übungen
    Manchmal kann man etwas nicht gut. Ich weiß dass beispielsweise meine Hand / Augen Koordination allenfalls „so lala“ ist.
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    Nun begab es sich, dass ich auf einem Team-Building Workshop, jonglieren lernen sollte. Während andere Kollegen die Lektionen recht problemlos annahmen, klappte es bei mir nicht. Dementsprechend ging ich hin und übte schlicht mehr.
    Soviel, dass die Kursleiterin, mir Komplimente für die Ausdauer machte es zu versuchen. Am Ende konnte ich so drei Bälle, mit Müh und Not, jonglieren.
    Weniger beeindruckend als die jonglage-talentierteren Kollegen, aber es klappte.Mit Sprachen, vermute ich, ist es ähnlich.
    Man muss schauen das man feste Uhrzeiten findet, Zeiträume und dann paukt. Man wird dabei vielleicht nicht so gut wie jemand mit Talent, gerade wenn der ähnlich viel paukt, aber man kriegt solide Kenntnisse und kann Stolz sein.
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    Gerüchteweise soll es gar dazu kommen das man damit sein Hirn (oder Muskeln) trainiert und es auf einmal doch klappt, als wäre man talentiert.
    Wobei ich dahingehend keine eigenen Erfahrungen habe. Das heißt ich kann immer noch nur „so lala“ jonglieren und bin nur „so lala“ im Dark Souls spielen (obwohl ich es echt stunden-/tagelang spielte).
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  3. Lern-Methoden
    Hierbei hilft nur Trial & Error, also ausprobieren und weitersuchen bis es klappt.
    Bevor ich es geschafft habe, so etwa auf A1 in Bezug auf Französisch zu kommen, habe ich eine Menge Lernmaterial angehäuft.
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    Für mich funktionieren folgende Ansätze ganz gut:
    ) Computer gestützte-Vokabeltrainer (Memrise), mit Belohnungssystem (DuoLingo)
    ) Online-Kurse (Busuu, Babbel)
    ) Direkt-Unterricht mit einem Menschen
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    Für euch funktionieren vielleicht andere Methoden. Vielleicht Bücher, Austauch-Programme oder Tandem-Konzepte.

Daneben gibt es noch zwei weitere Aspekte:.

  1. Positive Präsentation / Enthusiasmus Transfer
    Normalerweise habe ich wenig bis kein Interesse an Geschichte.
    Allerdings finde ich YouTube Reihen, wie Extra Credit History, so motivierend, das ich nun mehr über Geschichte weiß, als ich mir normalerweise angeeignet hätte.
    Auch CrashCourse begeistert mich regelmäßig für Themen, die mir davor sonst wo vorbei gingen.
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    Es kann daher helfen, sich jemand zu suchen, der es positiv, leicht verständlich und zugänglich präsentiert. Damit man selbst einen Zugang dazu kriegt. Einfach einmal auf YouTube suchen.
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  2. Sekundär-Element
    Neben der Option etwas direkt zu lernen, kann  man versuchen es in etwas zu verstecken (oder zu finden), das man mag.
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    Während ich mich normalerweise nicht für Geschichte interessiere, schaffte das Rollenspiel Montsegur 1244 tatsächlich mir – zumindest den Teil um eben diese Situation – näher zu bringen.
    Ebenso hat der Anime Lady Oscar wohl den Großteil dessen verschuldet, was ich mir zur französischen Revolution gemerkt habe.In Bezug auf Sprachen, kann es etwas helfen, sich TV-Serien wie Filme, im Originalton mit Untertiteln anzusehen.

Damit wäre soweit alles gesagt, was mir derzeit zum Thema einfällt.
Es gibt talentierte Menschen und weniger talentierte Menschen. Das man Talent hat, heißt nicht dass man nicht Arbeiten muss, eher dass einen die Arbeit leichter fällt. Das man wenig/kein Talent hat, ist kein Grund es gleich ganz sein zu lassen.

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